Schon 27 Jahre alt
und dank Equisensomotoric Training, zeitgesteuerter Heuraufe, Mineralisierung und Heu- sowie Luzernecobs rundum gut bemuskelt
In Bezug auf Hufwachstum und Muskelaufbau ist eine optimale Fütterung essenziell. Hier meine fünf wichtigsten Tipps zur Fütterung, damit Muskelaufbau gelingt!
Weniger ist oft mehr
Die Werbeversprechen und Fotos von kräftigen Pferden auf Futtermitteln sind oft sehr verlockend. Doch für Muskel und Rückenmuskelaufbau, ist es nicht notwendig, möglichst viele teure „Muskelaufbau“-Einzelfuttermittel zu kaufen. Im Gegenteil: Weniger ist oft mehr. In den meisten Fällen reichen bestmögliches Heu (gefüttert in vielen kleinen Portionen) und eine hochwertige, ausgewogene Mineralstoffmischung völlig aus, um sowohl die Rückenmuskulatur als auch die allgemeine körperliche Entwicklung deines Pferdes nachhaltig zu unterstützen. Je mehr Einzelfuttermittel gefüttert werden, desto höher ist auch die Belastung durch Zusatzstoffe sowie das Risiko für Allergieträger und unerwünschte Verunreinigungen. Viele Produkte überschneiden sich in ihrer Zusammensetzung oder enthalten Inhaltsstoffe, die sich gegenseitig in der Aufnahme behindern können. Eine reduzierte, gut durchdachte Fütterung ist daher meist deutlich gesünder und langfristig auch effektiver als eine mit Einzelprodukten überladene Ration.
Kein Weg führt an hochwertigem Heu vorbei
Heu sollte die Basis jeder Pferdefütterung sein. Es sollte selbstverständlich schimmelfrei und von bestmöglicher Qualität sein. An dieser Stelle zu sparen, kann langfristig sehr teuer werden und das Pferd schädigen. Schimmelsporen im Heu führen häufig zu Atemwegsproblemen, Leistungseinbußen oder im schlimmsten Fall sogar zur Unreitbarkeit des Pferdes. Es ist daher sinnvoll (und im Endeffekt auch preiswerter), im Fall von schlechter Heuqualität, lieber ein paar Ersatzballen zu organisieren.
Heu schimmelt durch falsche Lagerung (zu dichte Schuppen lassen das Heu schimmeln) oder wenn es während oder nach der Trocknung angeregnet wurde. In manchen Jahren regnet es leider während der Heuernte flächendeckend und es ist dadurch sehr schwierig gute Qualität zu produzieren. 10 Minuten in Wasser tauchen oder besser noch bedampfen kann hier Folgeschäden vorbeugen. Notfalls kann auch übergangsmäßig mit Heucobs etwas Abhilfe geschaffen werden. Meistens ist es jedoch günstiger, sich Heu aus einer Region liefern zu lassen, die schlicht Wetterglück hatten. Eine Schimmelbelastung kann im Vorfeld durch eine einfache Laboranalyse bestimmt werden, wodurch sich chronische Spätfolgen und hohe Tierarztkosten vermeiden lassen. Hierfür musst du nur eine Handvoll Heu als Brief ins Labor einschicken.
Hierbei kann man auch gleich den Protein- und Zuckergehalt bestimmen lassen. Der Zuckergehalt ist ein wichtiger Faktur bei Übergewicht und Rehe („fühlige“ Hufe sind übrigens oft eine unentdeckte, leichte Rehe). Zum Nachdenken: Wenn dein Heu z.b. 10% Zuckergehalt aufweist und dein Pferd 10 kg Heu in 24 Stunden frisst, dann kommt es auf täglich 1 kg (!) reinen Zucker! Das ist enorm viel und macht logischerweise viele Pferde dick und krank. Die allerwenigsten Pferde vertragen daher die ad libitum Heufütterung ohne langfristig krank zu werden (in der Prärie ist es karg, darauf sind Pferde biologisch ausgelegt) und das Heu muss unbedingt rationiert (also begrenzt) angeboten werden. Jedes zusätzliche kg Heu, das über den Erhaltungsbedarf (das ist die Heumenge bei der dein Pferd weder zu- noch abnimmt) hinausgeht, bedeutet 1 Stunde zügige Schrittarbeit um den Energieüberschuss wieder loszuwerden. Ist der Erhaltungsbedarf deines Pferds z.b. 7 kg, und es frisst aber 10 kg, dann müsste es täglich 3 Stunden flotten Schritt gehen, um diesen Überschuss wieder loszuwerden.
Übergewicht ist sehr schädlich für das Pferd, da es auch Lunge und Herz verfettet. Muss die Heumenge also reduziert werden, was notwendig sein kann, etwa aufgrund eines zu hohen Zuckergehalts im Heu oder weil dein Pferd eben zu Übergewicht neigt, ist besondere Aufmerksamkeit gefragt. In diesem Fall muss sichergestellt werden, dass das Pferd dennoch ausreichend Eiweiß für Muskelaufbau und Hufwachstum über die tägliche Ration aufnimmt. Ein Eiweißmangel zeigt sich oft schleichend und kann die Trainingsfortschritte deutlich bremsen.
Wenn du dir unsicher bist, empfiehlt es sich, eine wissenschaftlich fundierte Futterberatung in Anspruch zu nehmen und eine Rationsberechnung erstellen zu lassen. Gegebenenfalls kann Eiweiß gezielt ergänzt werden, zum Beispiel in Form von Ölsaaten. Als persönlicher Anhaltspunkt: Ich füttere ersten Schnitt, spät gemäht, wodurch mein Heu einen relativ geringen Eiweißgehalt hat. Reduziere ich die Heumenge meines 450 Kilogramm schweren Pferdes auf unter 9 Kilogramm innerhalb von 24 Stunden, ist die Eiweißversorgung nicht mehr ausreichend. Diese Werte können je nach Heuqualität und Pferdetyp variieren, verdeutlichen aber, wie wichtig eine individuelle Betrachtung der Fütterung ist.
Hoher Raufaseranteil und kurze Fresspausen
Pferde dessen Heumenge reduziert wird, sollten, zusätzlich zu nicht zu langen Fresspausen und ev. Eiweißgaben, außerdem Raufaser zugeführt bekommen. Raufaser erhöht die Kauschläge (durch das Kauen wird basischer Speichel gebildet, der Magengeschwüren vorbeugt) und macht satt! Ein zu dickes Pferd wird krank. Ein Pferd das ständig hungern muss, wird ebenfalls krank. Man kann Raufaser durch Stroh oder Äste anbieten, was das Sättigungsgefühl eben erhöht. Erste (vor allem spät im Jahr gemähte) Mahd hat einen hohen Raufaseranteil, ab der zweiten Mahd (zweiter Schnitt) ist der Raufaseranteil bereits viel geringer. Wird zweiter Schnitt gefüttert, führt es daher dazu, dass das Sättigungsgefühl des Pferds kürzer anhält. Bis zu 1/3 der täglichen Heuration kann durch untergemischtes Stroh ersetzt werden und so den Raufaseranteil erhöhen. Mehr sollte als 1/3 es nicht sein, da sonst Verstopfungskoliken drohen.
Pferde puffern ihre ständig produzierende Magensäure durch ihren Speichel ab. Dieser wird nur gebildet, wenn sie Kauen. Sind Fresspausen häufig länger als 5 Stunden, kann die produzierte Magensäure den Pferdemagen richtiggehend verätzen und Magengeschwüre und Magenschleimhautentzündungen hervorrufen. Das kommt evolutionär daher, weil Pferde dafür „gemacht“ sind, in der meist kargen Natur, ständig kleine Grasmengen aufzunehmen. In Gefangenschaft müssen wir dies so gut es geht nachahmen. Zeitgesteuerte Heuraufen sind eine (in Bezug auf die langfristige Pferdegesundheit) sich schnell amortisierende Investition, da niemand von uns um 3 Uhr früh aufstehen möchte, um dem Pferd eine kleine Menge Heu zu bringen. Besonders in Boxenhaltung zeigt sich, dass ab spätestens Mitternacht meist alles aufgefressen ist. Kommt die nächste Heuportion um 6 Uhr früh, sind bereits 6 Stunden (ohne den wichtigen basischen Speichel der die Magensäure puffert) vergangen. Etwas Stroh oder eben der Einbau einer Heukiste, die sich mit einer Zeitsteuerung öffnet, kann hier schnell Abhilfe schaffen.
Mineralisierung ist sinnvoll
Neben hochwertigem Heu empfehle ich grundsätzlich die Gabe einer guten Mineralstoffmischung. Ich habe Futtermittelkunde im Rahmen meines Studiums belegt und bin dabei mit zahlreichen objektiven, wissenschaftlichen Studien in Kontakt gekommen. Diese zeigen eindeutig, wie stark die Artenvielfalt auf unseren Heuwiesen in den letzten 50 Jahren zurückgegangen ist. Vor allem mineralstoffreiche Kräuter sind heute viel weniger auf Wiesen zu finden als früher, da viele Wiesen durch die Intensivierung der Landwirtschaft und durch Gras-Nachsaaten, die primär auf die Bedürfnisse von Milchkühen abgestimmt sind, nur noch wenige Pflanzenarten aufweisen. Aus diesem Grund ist eine ausgewogene Mineralstoffmischung, keine Fütterung einzelner Mineralien, in Absprache mit Tierärztinnen und Tierärzten sinnvoll. Wichtig ist dabei, auf die Form der enthaltenen Mineralstoffe zu achten.
Lies einfach das Kleingedruckte hinten auf der Mineralstoffpackung. Gut verwertbare, organische Verbindungen erkennt man häufig an der Endung „-at“, zum Beispiel -chelat, -citrat oder -fumarat. Anorganisch gebundene Nährstoffe, die oft auf „-it“ oder „id“ enden, werden hingegen größtenteils unverwertet wieder ausgeschieden und bringen dem Pferd entsprechend wenig Nutzen. Magnesium ist beispielsweise ein wichtiger Makronährstoff zur Zellkommunikation. Wird Magnesium anorganisch gebunden, also z.b. als Magnesiumoxid verfüttert, dann ist die Bioverfügbarkeit (also wie gut der Nährstoff vom Körper aufgenommen werden kann) leider eher schlecht. Wird Magnesium organisch gebunden und als Magensiumfumerat verfüttert, kann der Körper den Nährstoff viel besser aufnehmen. Zwar die Produktion von organisch gebundenen Nährstoffen für den Hersteller teuerer (und damit wird auch das Produkt für dich teuerer), aber dafür hat dein Pferd auch etwas davon.
Wenn du es ganz richtig machen willst, lässt du dein Heu auf die enthaltenen Nährstoffe analysieren und kaufst eine Mineralstoffmischung, die Defizite im Heu ausgleicht. Das macht aber nur Sinn wenn dein Heu von einer Umgebung (also von einem Bauern bzw. von eher gleichmäßig bewachsenen Wiesen) stammt. Musst du oder deine StallbetreiberInnen das Heu immer woanders und von weit her zukaufen, ist es weniger sinnvoll das Heu ins Labor einzuschicken. Das hat den Grund, dass die Nährstoffe von Region zu Region sehr schwanken können. Interessant ist eine Heuanalyse aber schon. Calcium sollte zum Beispiel nicht zu viel gefüttert werden, da es die Aufnahme anderer Nährstoffe blockiert. Wo ich wohne ist bereits sehr viel Calcium im Heu und würde ich einen Mineralstoff füttern, der so hohe Mengen an Calcium aufweist, wie es die meisten deutschen Mineralfuttermittelhersteller reinmischen, wäre das für die Gesundheit meines Pferds kontraproduktiv. Auch bei Selen kann ein „zuwenig“ Probleme beim Muskelaufbau machen, ein „zuviel“ aber leider sogar toxisch wirken.
Über eine Blutanalyse lassen sich nur große Mängel aufdecken (bei im Blut feststellbaren Mängeln brennt sozusagen bereits der Hut). Das kommt daher, dass der Körper versucht, Mängel im Blut erstmal sehr lange auszugleichen. Im Verdachtsfall ist eine Blutanalyse in Kombination mit einer Heuanalyse daher optimal. Für eine Heuanalyse braucht man nur ein paar Handvoll Heu in einen Umschlag stecken und ins Agrarlabor senden. Sie kostet, je nachdem wieviele Stoffe man untersuchen lässt, ca. 65,00-120,00€.
Jährliche Zahnkontrolle
Die jährliche Zahnkontrolle durch TierärztInnen ist ebenfalls sehr wichtig, damit sichergestellt werden kann, dass sich keine Haifischzahn-artigen Spitzen gebildet haben, die dem Pferd die Mundschleimhaut aufschneiden. Wenn Pferde Schmerzen beim Fressen haben, kauen sie ebenfalls schlecht und das erhöht wieder die Wahrscheinlichkeit für Magengeschwüre. Außerdem wird durch schlechtes Kauen die Heufaser nicht gut aufgebrochen, wodurch die Nährstoffe nicht aus den Halmen gewonnen werden können. Alte Pferde brauchen aus diesem Grund unbedingt Heucobs (und ggf. auch Luzernecobs für die Eiweißmenge) in großer Menge und täglich frisch aufgeweicht.

