Quarterwallach Brownie & Isabella
Ich habe mir letzten Herbst einen jungen, Western gerittenen Wallach gekauft, der sich mich quasi ausgesucht hat. Obwohl meine Aufmerksamkeit eigentlich einem anderen Pferd galt, hat er mich von hinten angestubst und ist mir in einer Wallachherde von ca. 15 Pferden dann nicht mehr von der Pelle gerückt.
Unsere ersten Wochen verliefen zwar relativ ruhig, aber mir fiel schon in dieser Zeit auf, dass er „aus dem Nichts heraus“ panische Fluchtreaktionen zeigte. Dann beim ersten Mal Aufsteigen stand er zwar zuerst still, als ich ihn dabei jedoch Abklopfte, ging er Fullspeed panisch durch, warf mich ab und war von dem Zeitpunkt an nicht mehr zu beruhigen. Auch am Putzplatz und im Handling tänzelte er nervös und zuckte ständig zusammen. Ich war danach ziemlich verunsichert und wir haben viel Bodenarbeit und Desensibilisierungstraining mit Horsemanship-Trainern gemacht. Allerdings ohne Erfolg, denn er war weiterhin unberechenbar und ich hatte immer im Hinterkopf: „Wovor fürchtet er sich als Nächstes?“. Dazu kamen die Unkenrufe und gut gemeinten Tipps aus dem Stall.
Völlig verunsichert, ob er nicht doch eine Nummer zu groß für mich ist, hab ich Kontakt mit Johanna aufgenommen. Schon als Johanna testweise nur die Longe in die Wiese fallen ließ, machte er einen riesen Satz nach hinten. Wir haben dann mit Johannas Übungen zur Traumaauflösung begonnen und auch wenn Kommentare kamen wie: „Was soll denn das bringen?“ fanden wir beide Gefallen an den ruhigen Übungen. Wir übten in Folge fleißig und es ging nun schrittweise bergauf. In der zweiten Stunde hoffte ich sehr, dass ich reiten darf. Da er zwar viel seltener, aber schon noch ab und zu Zusammenschrak, meinte Johanna, dass der Zeitpunkt noch nicht gekommen sei und gab uns weitere Übungen auf. In der 3. Stunde war es dann so weit – ich durfte das Auf- und Absteigen üben und Johanna führe mich an der Longe – er war dabei tiefenentspannt und ich überglücklich!
Ich übte in Folge brav weiter, doch dann begann er irgendwie Rückschritte zu machen und mir war nicht klar warum. In der darauffolgenden, 4. Stunde, klärte Johanna mich dann auf, dass er seine traumatischen Erfahrungen nun verarbeitet hatte und nun auch genug Selbstbewusstsein aufgebaut hatte, um mich ein bisschen auf die Probe zu stellen. Sie zeigte mir, wie ich sanft aber klar meine Grenzen setzen konnte und was es heißt, auch mit ganz feiner Körpersprache wirklich konsequent zu sein. Beides Dinge, die zuvor nicht zu meinen Stärken gehörten. Mit ihrer Unterstützung hab ich es geschafft und man merkte schnell, dass diese Feinheit und Klarheit meinerseits ihm sehr gut tat. Von da an arbeitete er motiviert mit und war auch sonst wieder ruhig.
In der 5. Stunde wurde ich dann für meine Mühen belohnt und ich ritt das erste Mal komplett frei :-)! Er zeigte nun am Boden und auch unter dem Sattel überhaupt gar keine Stressreaktionen mehr – selbst wenn das Fliegenhäubchen vor ihm auf den Boden fiel 🙂 Er war sogar so ruhig geworden, dass ich zeitweise im täglichen Umgang überlegte, ob es ihm eh gut ginge, weil er nun so ruhig und ausgeglichen war.
Aus einem unberechenbaren, schreckhaften, traumatisierten Pferd war in nur 5 Einheiten mit Johanna ein verlässlicher Reitpartner geworden. Mit meiner kleinen Tochter geht er nun problemlos durch jeden Parcours, lässt sich putzen und auch sonst alles gefallen was ihr gerade so einfällt.
Vielen lieben Dank Johanna für deine Geduld, deine aufbauenden Worte und jederzeitige Unterstützung – auch in Hinblick auf Ausrüstung, Wahl der Trense etc. Eine Reitlehrerin, die so auf Pferd und Reiter eingeht und der jede Kleinigkeit auffällt, findet man selten.